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25. März 2013

Massentauglich

Kommentar zum neuen Album von Depeche Mode

Foto: Depeche ModeWie auf Knopfdruck schossen die Arme in die Höhe als beim Depeche Mode Konzert gestern Abend im Wiener Museums Quartier die Lichter ausgingen. Einen Atemzug später erstrahlte über den Köpfen der knapp 1000 Besucher eine Landschaft aus blauen Leuchtquadraten – eine Milchstrasse aus Smartphone-Displays. Vielleicht steht diese Entwicklung auf Konzerten sinnbildlich für die Situation bei Depeche Mode. Fans dokumentieren und teilen ihre besonderen Momenten im Netz, um Aufmerksamkeit in der virtuellen Community zu erhalten – die Jagd nach den Likes, wer kennt sie heute nicht? Diese werbemäßige Selbstinszenierung und Vermarktung des eigenen Lebens hält seit ein paar Jahren bahnbrechenden Einzug in unseren Alltag – bei Weltstars hingegen ist es schon seit langem Teil des großen Geschäfts. So hat auch das Management von Dave Gahan, Martin Gore & Andrew Fletcher für die Neuerscheinung von ‚Delta Machine’ alle Markteting-Register gezogen und promotet das Album als Gäbe es kein Morgen: Nach Auftritten bei David Letterman, der ‚Echo-Verleihung’ und ‚Wetten dass…? dann schließlich ein einstündiger Album Launch-Event in Wien, der von der Deutschen Telekom gesponsert wurde.

Courtesy: AP/ Axel SchmidtNach 33 Jahren im internationalen Musikgeschäft und 13 veröffentlichen Alben ist es zwar nicht verwunderlich, doch gerade bei ‚Delta Machine’ bemerkt man, dass es vor allem um einen großen kommerziellen Wurf geht, der am besten weltweit gelandet werden soll. Dabei fing es anders an: Depeche Modes synthetisierter Pop entstand im Kontext einer avantgardistischen und subkulturellen Strömung: der New-Romantic Welle in England. Nach ersten kleineren Chart-Erfolgen etablierten sich die Depeche Mode schnell auch zu einer international erfolgreichen Band und reflektierte dies nicht ganz unironisch mit ihrem Album Titel ‚Music for the Masses’. Der Erfolg hielt Depeche Mode nicht davon ab experimentell zu arbeiten und Musik zu machen, die neue Wege weist. Dennoch hatte die Band immer einen unverkennbaren Stil: pathetischer, latent düsterer, immer elektrisierender Pop. Beim neuen Album sind diese Elemente schnell rauszuhören, doch trotz aller handwerklichen Präzision, trotz eingängiger Tracks, bleibt der Eindruck einer sehr durchkommerzialisierten Platte. Genau das ist wohl auch so gewollt – kein Risiko durch konzeptionelle Härte oder experimentelle Querschläge, sondern vielseitig massentauglicher Pop, der auf breiten Absatz zielt – ein ganz unironisch gemeintes ‚Music for the Masses’.